Der Schwarze Kreis - Zweiter Teil

„Hast du Hunger?“, fragte der Tryker freundlicher, als man es ihm zugetraut hätte. Niemand konnte sagen, ob dies wirklich so gemeint war, oder ob er einfach nur ein sehr begabter Schauspieler war.

Nach einem guten Essen - es gab gebratenen Igara und dazu gekochte Psycoplasprossen - wurde Galhara wieder in das Zelt gebracht, in dem sie erwacht war. Die Wege zwischen den zwei Zelten hatte sie nicht zu Gesicht bekommen. Man hatte ihr die Augen für den Weg mit etwas eklig Schleimigen zugeklebt.

In dem Zelt wartete bereits der hellhaarige Tryker auf sie und nahm sie in Empfang. Er schickte die Wachen fort, nachdem sie Galhara die seltsame Masse von den Augen entfernt hatten.

„Entschuldige diese Vorgehensweisen. So verfahren wir mit allen Homin, von denen wir nicht wissen, ob sie uns wieder verlassen oder bleiben werden.“ Die Stimme klang nun nicht mehr böse. Nach jedem Wort wirkte sie süßer und anziehender.

„Mein Name ist Ba’Wity Codgan, ich bin der Anführer des Schwarzen Kreises.“ Der Tryker verbeugte sich höflich und gebot Galhara daraufhin, sich zu setzen.

Sie fragte skeptisch: „Wie kommt ihr auf die Idee, ich könne womöglich bleiben, ehrenhafter Anführer?“ erwiderte sie mit einem Lächeln auf ihrem wohlgeformten Gesicht. Ihr Tonfall allerdings lies keinen Zweifel daran, dass die Worte ihres letzten Satzes ironisch gemeint waren. Eine Pause trat ein, während der er sie mit scharfen Blicken beobachtete. Man konnte die Spannung förmlich riechen, so sehr knisterte die Luft. Erst als er den Blick abwandte und mit einigen Flaschen hantierte, lies die Anspannung nach.

„Nun ja, viele bleiben, wenn sie von unserer Lebensweise und unseren Idealen erfahren.“ Mit diesen Worten reichte er ihr ein Glas und bedeutete ihr, einen Schluck zu nehmen. Die Farbe des Getränkes schien ihr sehr ungewöhnlich. Sie roch an der bläulichen Flüssigkeit, die einen leichten roten Schimmer aufwies – fast schon violett. Sie gewahrte ein zartes süßliches Aroma und nahm vorsichtig einen kleinen Schluck. Überrascht über den Wohlgeschmack, setzte sie das Glas sofort ein weiteres mal an ihre Lippen und trank einen größeren Schluck.

Mit einem Lächeln und einem weiteren Ausdruck, den Galhara nicht deuten konnte, beobachtete Ba’Wity Codgan sie. Doch lasst mich ein wenig über unsere Ziele berichten. Er begann einen langen Vortrag über die Wichtigkeit von Forschung, wich jedoch allen konkreten Fragen nach dem Gegenstand der Forschung aus. Auch Fragen zur Finanzierung des Ganzen lies er unbeantwortet. Cogan war ein sehr geschickter Redner und so schwirrte Galhara bereits nach kürzester Zeit der Kopf und es fiel ihr immer schwerer, einen klaren Gedanken zu fassen. Auf den Gedanken, das dies an dem Getränk liegen könnte, kam sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. So dauerte es auch nicht mehr lange, bis ihr die Sinne schwanden und sie auf ihrem Sitz zusammensank.

Der Tryker stürmte zum Eingang des Zeltes, forderte die Wachen auf, die Fyros wegzuschaffen und schickte nach seinem Stellvertreter.

„Ich habe es euch ja gesagt.“ Waren die ersten Worte, als dieser mit riesigen Schritten ins Zelt stürmte. „Zu allem Unglück ist sie auch für unsere Forschungen nicht geeignet.“ „Dies lasst nur meine Sorge sein“ antwortete Ba’Wity Codgan. „Wir gehen zur nächsten Phase über. Der letzte von uns erledigte Auftrag hat uns ein sehr ansehnliches Sümmchen eingebracht.“ Das Lachen, das man daraufhin vernehmen konnte, hatte weniger mit Humor als vielmehr mit Boshaftigkeit zu tun. „Ich hätte zu gern die vor Schock geweiteten Augen meiner Landsleute gesehen“ – hier spuckte er verächtlich aus – „als er vor ihren Augen und trotz all ihrer dummen Sicherheitsvorkehrungen zusammensank.“ Wieder war ein eiskaltes Lachen zu hören. „Aber dies dort“, dabei zeigte er auf eine große nur halbgeschlossene Truhe, in der man viele Dapper sehen konnte, „dies ist auch eine nette Bezahlung. Und SIE wird die Ehre haben, als erste in den Genuss der nächsten Phase unserer Forschung zu kommen.“ Das grauenhafte Lachen schien kein Ende nehmen zu wollen…

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